Vom Auto zur Autorin
In langer Weile und mit langem Atem verlebe ich viele Jahre in ei- nem Idyll mit Autobahnanschluss. Bereits in der Grundschule klinge und bewege ich mich wie ein Auto; erst als ich ihr entwachse, wird mir klar, wer ich wirklich bin: Ein Wohnmobil – gepanzert, Wendig- keit legendär, Beschleunigung atemberaubend. Und die anderen? Sie sehen die Welt, gehen aus, lernen sich kennen – als Mensch –, wo- hingegen meine Welt autark ist, da ich ein Auto bin.
Wo ist, wer neben der Spur ist? Ist er bloß ein wenig abgewichen? Ausgewichen auf den Standstreifen – oder die Überholspur –, womög- lich auf Geisterfahrt? „Ein gesunder Geist in einem gesunden Kör- per“: Ein Ideal aus römischer Dichtung, wie es scheint, in Wahr- heit jedoch seine Satire, häufig zitiert, ebenso oft missverstan- den als realistischer Anspruch. Welcher Geist ist eigentlich ge- sund? Der, der viel bewegt oder der, der wenig bewegt?
Ein zufriedener Geist langweilt; geistige Schöpfung verlangt nach Humus vulkanischen Ursprungs aus den Schluchten der Hölle. In den Seelengärten Zufriedener herrscht üppige Ödnis, so, als seien die Gewächse mittels Giften herangezogen worden und die seltensten un- ter denen, die sich dieser „Kultivierung“ zu entziehen vermochten, kurz vor, spätestens aber am Tag nach ihrer Blüte ausgerissen wor- den.– Kein Samen, der sich säe ohne Blüte, ohne Frucht!

