Lauti

Stadt urban?

Urbanität ist nicht, wie es leider viele ihrer vorgeblichen Lieb- haber zu wissen glauben, die Anhäufung von Gebäudekörpern und de- ren maximale Stapelung oder städtebauliche Verdichtung. Grundlage und Hauptwesensmerkmal urbanen Lebens ist und bleibt vielmehr der R a u m – und zwar der öffentliche, also jener Raum, der den Platz für Begegnungen unterschiedlichster Stadtbewohner bietet und der sowohl ohne Hürden zugänglich als auch für alle oder möglichst viele Menschen ein Anziehungspunkt ist, welcher – und dies muss immer wieder ganz deutlich gemacht werden – nicht kommerzieller Prägung sein darf.

Nun kann zwar ein einzelner Ort nur schwerlich alle Kriterien vollständig erfüllen, doch das Zusammenspiel und Nebeneinander verschiedenster Orte, die aber zumindest miteinander gemein haben sollten, für alle frei zugänglich zu sein, kann dann den Raum un- serer Begierde erschaffen: Die heißgeliebte Urbanität.

Provinzialität hingegen, die immer wieder – und oftmals zu Unrecht – ausgerechnet den Gegnern der Neuschaffung engster Räume und Ge- bäudeformationen vorgeworfen wird, zeichnet sich vielmehr durch den Eigentumsgedanken aus, sowie durch die Schaffung privater und privatisierter Räume. Denn der Rückzug in den privaten Raum bedeu- tet auch eine Armut in Bezug auf Gemeinsames. Das Gemeinsame wie- derum sollte nicht – wie in der Provinz üblich – eng oder familiär zu sein haben, sondern – so wie es in großen Städten üblich, ja verlässlich zu halten ist – anonym erlebbar sein und bleiben können.

Ohne diesen urbanen Raum jedoch fehlen Austausch und Öffnung. Zu- nehmend vollzieht sich eine Institutionalisierung: Vom privaten Raum A strebt man dem privaten Raum B zu und verrichtet dort Ar- beit oder andere Tätigkeiten. Der urbane Raum und auch die Zwi- schenräume sind dann tot, ganz gleich, wieviel Beton, Glas, Stahl und Plastik sich in ihnen stapeln und wie weit ein Häusermeer sich zum Horizont hin verlieren mag.