Lauti

Interview mit einer Prinzessin

„Revolution im besten Sinne“


Du wirst ja vom Verfassungsschutz als „radikales Element“ beobach- tet, dabei bist Du autonom im besten Sinne, nicht wahr?

Na das scheint mir beides jedenfalls nicht sonderlich ehrenrührig zu sein. Lass mich kurz nachdenken...


Du hast einmal gesagt, Du seist nicht bereit, Dich festlegen zu lassen. Jetzt also doch?

Nicht dass ich wüsste, aber es sieht doch ohnehin jeder Mensch was Anderes drin. Ich mache bereits die größten Verrenkungen, um nicht mit herkömmlichen Gruppen oder „radikalen Elementen“, wie Du sie nennst, verwechselt zu werden. Wie ich aber immer sage: Ich kenne meine Freunde.


Hieß das nicht „Ich kenne meine Feinde“?


(lacht) Ja, stimmt. Ist Dir diese Abwandlung grad zu virtuos? Ich fühle mich zwar wie eine Aussätzige, aber eigentlich sind wir das ja alle nicht und gehören zum großen Ganzen. Ich versuche einfach, ein Recht geltend zu machen, das angeblich nicht rechtens ist. Denn wir haben natürlich alle das Recht, jede Regel und jedes Ge- setz in Frage zu stellen und für uns zu ändern, oder etwa nicht?


Ich führe hier nur das Interview...

Wie belanglos. Wer hat Dich dazu gezwungen?


Ich bin durchaus freiwillig hier. Aber zurück zur Sache: Einige mögen glauben, dass du wegen Deiner Aufmüpfigkeit mit einem Bein im Gefängnis stehst. Hast Du keine Angst?


Ist denn nicht das ganze Leben ein Gefängnis? Angst ist ja gerade- zu der wichtigste Auslöser für meine Wut, aber auch für die Liebe, die ich geben will. Das kann also schon passieren. Ich bin wohl einfach ein gefährdetes Exemplar und ohne Geld und Gut ist meine Arbeit eben noch schwieriger. Aber ich werde trotzdem nicht damit anfangen, dem hinterherzurennen. Und ich bin ja auch nicht wirk- lich gewalttätig, und wenn doch, dann würd ich's jetzt bestimmt nicht sagen.(lacht)


Was eigentlich schon etwas komisch ist, denn sonst sprichst Du alle Dinge an, bis es richtig weh tut. Ich erinnere...


(unterbricht) Ja, aber es soll nicht nur weh tun, sondern auch zu einer besseren Entwicklung beitragen!


Das klingt jetzt ziemlich klebrig und idealistisch.


Ja ja, Ideale sind wohl demnächst auch noch verboten!? Auf welcher Seite stehst Du eigentlich, wenn ich das mal fragen darf!?


Ich versuche, ein Interview zu führen, von dem die Leser was haben! Mir ist einfach nicht klar, wohin das alles führen soll.


Das sollte man als Interviewer aber schon wissen!(lacht) Oder meintest Du vielleicht die Frage, wohin mein Wirken führen soll? Nun denn, mehr Aufruhr kann nur gut sein. Und Spaß soll es ja auch machen. Ich stelle mir einen Spaß im Ernst vor.(lacht) Schließlich sind wir nicht mehr im Revoluzzer-Kindergarten. Es gibt schon jetzt viel zu viele Menschen, die ganz wirklich und ganz direkt einer widerwärtigen Ungerechtigkeit oder Unmenschlichkeit ausge- setzt sind, und leider nimmt die von oben verordnete soziale Kälte immer mehr zu.


Und wer trägt die Schuld daran?


Letztlich sind wir alle verantwortlich, im Grunde sogar ganz unab- hängig von den Konservativen, Neo-Konservativen und Neo-Liberalen und auch unabhängig von dem unseligen „Rüberrücken“ durch die, die vorgeblich ganz woanders stehen oder standen. Es ruhen sich auch Viele bis zum Exzess auf ihren naiven und viel zu kurz gefassten Fehlinterpretationen aus!


Du beschreibst damit ein lang bekanntes Trauerspiel. Wo aber soll man da ansetzen?


Auch unabhängig von den aktuellen Verschlimmerungen ist generell die Frage, was im Leben wertvoll und erfüllend ist und was einen Menschen eigentlich ausmacht - statt immer nur das Ego-Individuum zu sehen oder das allzu unkreative Kollektiv! Es gibt viel zu vie- le, die unglücklich gemacht und drangsaliert werden, von denen, die sich daran aufbauen. Es hat aber einfach jeder Mensch sein Recht auf Würde!


Solche Fragen beschäftigen Jeden mal. Aber macht all das nicht sehr ohnmächtig?


Zwar kann ich nicht behaupten, über große Macht zu verfügen, doch von Ohnmacht fühle ich mich weit entfernt. Und die Spielchen der Schlaumeier, die uns zu ihrem Eigennutz gnädig Brot und Spiele hinwerfen, die habe ich immer im Blick. Davor einknicken oder sich zahm und naiv einer Gutgläubigkeit anschließen, das ist ja wohl die Voraussetzung dafür, dass die ihre Spielchen fast immer gewin- nen können. Und über das bloße Fragen fühle ich mich nun hinausge-kommen, jetzt geht es um das Antworten! Dabei ist natürlich klar, dass auch Einiges so bleiben kann, wie es ist.


Du meinst die menschlichen Errungenschaften, die es wert sind, als solche bezeichnet zu werden?


Ja, deshalb schlage ich nicht blind drauf, sondern sehe Gutes und Schlechtes ganz klar getrennt. Manchmal muss man dafür sehr, sehr genau hinsehen. Es wird sich aber nun mal Vieles ändern müssen - also Revolution im besten Sinne. Und wenn wir es nicht schaffen, unsere Antworten mit Nachdruck in die Welt zu schreien und wenn wir die verantwortlichen Unverantwortlichen nicht massiv angehen, dann wird sich am Ende des Lebens nur sagen lassen: Hätte, könnte, müsste, sollte, Bla, Bla und Bla. Das kann's ja wohl nicht sein! Und „Love is the answer“ ist zwar eine wunderbare Parole, aber dennoch viel zu wenig!


Danke, ich glaube, wir haben nun genug gehört...


Eher zu wenig, aber Dank auch Dir!


Das Interview führte Marek Zoschwitz.

RAUM.O der Ostprinzessin - Berlin, den 08. Juli 2006