Botschaft an Drüben
Die Prinzessin schrie es dem Prinz hinüber: „Wir werden uns nicht lieben!“ Zwischen ihr und dem Prinz stand eine unsichtbare Mauer, so massiv wie der hingeschlachtete Palast im Herzen der Stadt Ber- lin, dessen Blut sich – quälend langsam und offenkundig unaufhalt- sam – in sie ergoss.
Inmitten der uferlosen Blutlache stand bebend die Prinzessin. Vor der ausgeweideten Leiche verharrend, mit nichts mehr als ihrer hoffenden Liebe, spiegelten sich die allerletzten Strahlen der wärmenden Palastsonne in ihrem bronzenen Haar.
Wenn das materielle Lebenslicht des Palasts erloschen sein werde, dann würde die Mauer, die unsere Prinzessin und den Prinz trennt, fester sein denn je. Ihre Überwindung würde dereinst nach all der Liebe verlangen, die der Palasttorso noch bis in die letzten Mo- mente seines Beste- hens in die vollen Herzen seiner scheiternden, edlen Ritter zu leuchten vermocht hatte.
Indes: Der Palast überlebte immateriell.
Das Schloss, jene ach so heile Kulisse, welche der Prinz unserer Prinzessin zu bauen anbot, genau diese aber hatte sie nie gewollt: „Ich werde dort niemals einziehen!“

