ahoi!
Am offenen Fenster: Die Gischt fegt über das Deck, Hagel hämmert die Scheiben, klopft das Dach ab. Alter Lack springt entzwei, Was- ser dringt durch Fugen; die halbwache Käptin schreckt auf, hastet an die Fensterfront, die Luke zu schließen. Eiskörner prasseln an Beinkleid und Handrücken, springen sogleich davon ab und schlagen an ein am Boden stehendes Gefäß. Die Käptin blickt ins offene Meer, ihre Füße nass, das Haar zerweht. In den Augenwinkeln zeich- nen sich Blitze ab, Donnerschlag fährt in ihre gespannten Glieder.
Die Torte auf dem Tisch ist zerlaufen, ihre Sahne tropft in drei Strömen über die Tischkante. Schokostreusel haben sich mit weißen Servietten zu unansehnlichen Klumpen vermengt. Die Bootsmaus nagt an einer gequollenen, zerdrückten Frucht; und rättisch zerrt sie am Hosenbein der Käptin. Über einem der Kuchenteller bildet sich ein Regenbogen. Über die Reling gebäugt, wringt die Käptin ihre nassen Kleider aus; Wassertropfen rinnen am Bauch hinab, drei schmale Rinnsale überqueren ihre Mitte. Ihre Schenkel erzittern, als ein letzter Hauch des vorübergezogenen Sturmes sie streift. Die fliederfarbene Wäsche duftet nach Frühling.
in einem Hochhaus an der Berliner Mauer, April 2011

